Der nachhaltige Mobilitätsplan „Besser durch Köln“: Wie die Stadt Köln nachhaltige Mobilität gestaltet – und europäischen Anspruch erfüllt

Köln steht vor einer wichtigen Wegmarke: Bis 2027 muss sie als eine der 432 „Urban Nodes“ des transeuropäischen Verkehrsnetzes einen nachhaltigen Mobilitätsplan (Sustainable Urban Mobility Plan, SUMP) vorlegen. SUMPs sind ein zentraler Baustein der EU-Strategie, wie umweltfreundliche Verkehrslösungen gefördert und die Lebensqualität in europäischen Städten verbessert werden sollen.

Für Köln bedeutet das einen bedeutenden Schritt nach vorn. Das letzte umfassende Gesamtverkehrskonzept stammte aus dem Jahr 1992. Seither haben sich Stadt, Mobilität und gesellschaftliche Bedürfnisse verändert. Der neue nachhaltige Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ soll diese Lücke schließen. Er knüpft an das Strategiepapier „Köln mobil 2025“ und die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ an. Gemeinsam bilden sie den Rahmen für eine Mobilität, die effiziente Verkehrsflüsse, gesunde Lebensräume und zukunftsorientierte Stadtentwicklung miteinander verbindet.

Nachdem Mobycon gemeinsam mit einem großen Konsortium aus Mobilitätsplanungs- und Kommunikationsexpert*innen die Stadt Köln bereits in der ersten Phase des Mobilitätsplans dabei unterstützt hat, ein Zielszenario samt passender strategischen Maßnahmen zu entwickeln, geht es nun in der zweiten Phase darum, diese Arbeit weiter zu konkretisieren. Zusammen mit der Stadt und unserem Konsortium entstehen jetzt konkrete Maßnahmen, die die Ziele mit Leben füllen.

Bevor wir in die nächste Etappe einsteigen, lohnt sich ein Blick zurück mit dem Kölner Projektteam: Was haben wir mit der Stadt in der ersten Stufe des SUMP-Prozesses erreicht und welche Erkenntnisse prägen den weiteren Weg?

Die erste Stufe hat gezeigt: In Köln mischen sich ganz verschiedene Stimmen und Perspektiven — Verwaltung, Verbände und Bürger*innen aller Altersgruppen haben mitgeredet. Der (wortwörtlich ausgezeichnete) Beteiligungsprozess des Mobilitätsplans war klar mehr als ein Formalakt: Die Beteiligung war umfassend, breit aufgestellt und gut abgestimmt. Für diesen wirkungsvollen Ansatz erhielt Köln im Oktober 2024 die Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ des Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung e. V. Wie konkret die Beiträge der beteiligten Zielgruppen in die Mobilitätsplanung eingeflossen sind, zeigt sich in der Status-Quo-Analyse. Dort wurden die Ergebnisse der Beteiligung mit fachlichen Untersuchungen gegenübergestellt und verknüpft und damit direkt in die Planungsgrundlage übernommen. Diese fundierte Verknüpfung setzen wir auch in der zweiten Phase fort, um aus der Strategie zielgerichtete und praktikable Maßnahmen abzuleiten. 

Fünf Zielbilder für die Mobilität in Köln sollen die unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringen und einen klaren Orientierungsrahmen schaffen. Sie bilden zusammen ein Leitbild, das als Grundlage für die weitere Planung dient. Der Leitbildprozess führte über mehrere Beteiligungsrunden zu intensivem Austausch. Die Vielfalt der Meinungen unter einen Hut zu bekommen, war anspruchsvoll, lieferte aber eine stabile Basis für die nächsten Schritte. Die visuelle Aufbereitung der Zielbilder (siehe Grafik unten) und die Formulierungen aus der Ich-Perspektive halfen den Kölner*innen zudem, sich mit den Zukunftsbildern zu identifizieren.

Mehr Informationen rund um den Mobilitätsplan und zu den Zielbildern können Sie hier finden.

Gleichzeitig wurde deutlich, wie anspruchsvoll es ist, die inhaltliche Komplexität des SUMPs nach außen zu kommunizieren. Von Stellschrauben über strategische Maßnahmen bis hin zu Strategieszenarien, Zielszenario und Indikatoren: all diese Begrifflichkeiten sind auf dem Weg zum nachhaltigen Mobilitätsplan entstanden. Immer wieder galt es, die Balance zwischen fachlicher Tiefe und allgemeiner Verständlichkeit zu finden. Wie kann man Orientierung geben, Beteiligung ermöglichen und Entscheidungen nachvollziehbar machen, ohne den Überblick zu verlieren? Diese Herausforderung hat den Prozess geprägt.

Friederike Christian ist Projektleiterin für den SUMP der Stadt Köln. Sie sagt:

„Die Probleme und Potenziale sind uns jetzt bekannt. Der entscheidende Schritt ist, auf Basis dieser Erkenntnisse in die Realisierung zu gehen. Daher ist ein strukturiertes Umsetzungskonzept mit klaren Rollen und Prioritäten für unseren SUMP elementar.“

Auf dieser Grundlage startete Anfang September 2025 die zweite Stufe des nachhaltigen Mobilitätsplans. Die Aufgabe ist es, die Ergebnisse der ersten Stufe in konkrete Maßnahmen zu übersetzen, die Kölns Mobilität bis 2035 spürbar verändern werden. Die entwickelten Zielbilder dienen dabei als Kompass.

Eine besondere Herausforderung ist die angespannte Haushaltslage der Stadt. Doch darin liegt auch eine Chance, so Friederike Christian:

„Wenn Mittel knapp sind, braucht es klare Prioritäten und einen transparenten Fahrplan, wann welche Maßnahmen umgesetzt werden können. Das schafft Verbindlichkeit und erleichtert politischen Gremien wie Fachämtern gleichermaßen die Entscheidungen.“

Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern (Dialogwerke, Mobilité und Inovaplan) und mit der Stadt Köln an einem mehrstufigen Prozess, um das Maßnahmenpaket zu entwickeln. Es braucht Maßnahmen, die sowohl konsequent auf die übergeordneten Ziele einzahlen als auch realistisch umsetzbar sind. Ein breiter Beteiligungsprozess begleitet unsere Arbeit und stellt sicher, dass die Perspektiven aus Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft auch in der Umsetzungsphase verankert bleiben.

Unser Projektteam knüpft an die erfolgreiche Arbeit der ersten Stufe an. Wir bringen unsere Erfahrung aus europäischen SUMP-Prozessen in diese zweite Stufe ein. Unser Anspruch ist es, der Stadt eine Umsetzungsplanung an die Hand zu geben, die nicht nur fachlich fundiert ist, sondern vor allem praktische Orientierung bietet und Entscheidungen erleichtert. 

Wir freuen uns sehr, dazu beizutragen, dass Köln in Zukunft einen klaren Plan vom strategischen Ziel hin zur praktischen Realisierung an der Hand hat und damit die Basis für eine strukturierte Umsetzung vorliegt.

Für Städte, die gerade erst in ihren eigenen SUMP-Prozess starten, hat Friederike Christian einige wertvolle Empfehlungen:

  • Komplexität reduzieren und pragmatischer werden. Strategische Konzepte können nach außen schnell wissenschaftlich und abstrakt wirken. Eine pragmatische Sprache macht die Beteiligung leichter und die Kommunikation nach außen verständlicher.
  • Werkzeuge zur Identitätsschaffung nutzen. Die Zielbilder aus der Ich-Perspektive und die Visualisierungen helfen Bürger*innen, sich mit dem Prozess und dem späteren Produkt zu identifizieren.
  • Zusammenhänge sichtbar machen. In Köln werden politische Beschlussvorlagen und Veröffentlichungen zur nachhaltigen Mobilität nun inhaltlich eng in Zusammenhang mit dem SUMP und seinen Zielen verknüpft – das macht es Menschen leichter, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Maßnahmen im Straßenraum und dem „großen Ganzen“ zu begreifen.

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