Mobycon evaluiert die präventive Verkehrssicherheitsarbeit des Landes Schleswig-Holsteins.
Wie kann Verkehrssicherheitsarbeit so weiterentwickelt werden, dass schwere und tödliche Unfälle langfristig vermieden werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Evaluation der präventiven Verkehrssicherheitsarbeit in Schleswig-Holstein, die Mobycon im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein durchgeführt hat.
Am 27. Mai stellte unsere Kollegin Dagmar die Ergebnisse der Evaluation im Wirtschafts- und Digitalisierungsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags vor. Der dazugehörige Endbericht ist über die Infothek des Landtags abrufbar.
Im Zentrum des Projekts steht die Vision Zero. Sie beschreibt das Ziel, dass kein Mensch im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt werden soll. Damit verbunden ist ein Perspektivwechsel: Verkehrssicherheit wird nicht allein als Frage individuellen Verhaltens verstanden, sondern als gemeinsame Verantwortung aller Akteur*innen, die Straßen planen, gestalten, betreiben, nutzen und regulieren. Der Safe-System-Ansatz übersetzt diese Leitidee in konkrete Handlungsprinzipien. Er geht davon aus, dass Menschen Fehler machen, ein sicheres Verkehrssystem diese Fehler aber auffangen muss, damit sie nicht zu schweren oder tödlichen Unfallfolgen führen.
Für die Evaluation wurden bestehende Strukturen, Zuständigkeiten, Maßnahmen und Arbeitsweisen der Verkehrssicherheitsarbeit in Schleswig-Holstein untersucht. Methodisch stützte sich die Arbeit unter anderem auf eine Literaturrecherche, qualitative Interviews mit zentralen Akteur*innen, Fragebögen sowie einen gemeinsamen Vision-Zero-Workshop. Ziel war es nicht, einzelne Maßnahmen isoliert zu bewerten, sondern herauszuarbeiten, wie die vorhandene Verkehrssicherheitsarbeit strategisch weiterentwickelt werden kann.

Die Analyse zeigt: Schleswig-Holstein verfügt bereits über eine vielfältige Landschaft engagierter Akteur*innen und bestehender Aktivitäten im Bereich Verkehrssicherheit. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass Vision Zero nur dann wirksam umgesetzt werden kann, wenn Maßnahmen, Zuständigkeiten und Prioritäten noch stärker miteinander verzahnt werden. Verkehrssicherheit ist eine Querschnittsaufgabe. Sie betrifft Infrastruktur, Verhalten, Geschwindigkeit, Fahrzeuge, Daten, Kommunikation, rechtliche Rahmenbedingungen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen und Fachbereichen.
Aus der Evaluation haben wir Handlungsempfehlungen in mehreren Zukunftsfeldern abgeleitet. Dazu gehören unter anderem eine klare strategische Ausrichtung, gut funktionierende Kommunikations- und Kooperationsstrukturen, ausreichende Ressourcen und Finanzierung, der gezielte Einsatz von Technologie und Daten sowie Wissenstransfer und Fortbildung. Besonders wichtig ist dabei, die Vision Zero nicht nur als übergeordnetes Ziel zu formulieren, sondern sie in konkreten Entscheidungsprozessen, Zuständigkeiten und Arbeitsroutinen zu verankern.
Mit dem Endbericht liegt nun eine fachliche Grundlage vor, um die präventive Verkehrssicherheitsarbeit in Schleswig-Holstein weiterzuentwickeln und den Safe-System-Ansatz stärker in der Praxis zu verankern.
Für uns ist das Projekt ein wichtiger Beitrag dazu, Verkehrssicherheit systemisch zu denken: nicht als nachträgliche Korrektur einzelner Gefahrenstellen, sondern als integrierten Bestandteil einer sicheren, menschlichen und zukunftsfähigen Mobilitätsplanung. Der vollständige Bericht ist hier abrufbar.